Selbstdisziplin

Ist Selbstdisziplin der magische Schlüssel zum Erfolg?

Selbstdisziplin - was verbirgt sich überhaupt dahinter? Selbstdisziplin bedeutet bestimmte Aufgaben zu erledigen, sobald diese erledigt werden müssen - egal ob Sie gerade in der richtigen Stimmung sind, die Sonne scheint oder Regen fällt, die Umstände momentan günstig sind, ob Sie viel lieber faulenzen würden oder Ihnen der Sinn nach anderen Aufgaben steht ...

Selbstdisziplin beinhaltet die Selbstkontrolle, denn Sie müssen sich selbst dazu bewegen etwas, was Sie gerade nicht tun wollen in Angriff zu nehmen. Um sich selbst zu disziplinieren müssen Sie ein Fan bzw. Gläubiger Ihrer eigenen Persönlichkeit sein, sonst wird es schwierig. Allein das alles hat schon etwas Abstoßendes an sich und lässt den meisten Menschen einen Schauer über den Rücken laufen.

Populäre Betrachtungsweisen der Selbstdisziplin

Selbstdisziplin wird als eines der heiligen Mittel propagiert. Wir hören oft, dass Selbstdisziplin sehr wichtig ist, denn durch sie können wir unser Leben beherrschen, unsere Ziele erreichen, erfolgreich werden und alles was wir uns sonst noch so wünschen.

Selbstdisziplin macht aus Menschen vernünftige Wesen, die nicht mehr von ihren Wünschen beherrscht werden, sondern sachlich und durchdacht durchs Leben gehen. Viele Selbsthilfe Gurus preisen und loben Selbstdisziplin als magischen Schlüssel für ein erfolgreiches Leben in Reichtum, wo Träume und Visionen Wirklichkeit werden und letztlich jeder sein Ziel erreicht. Der Mangel an Selbstdisziplin wird oft als Laster und Schwäche bezeichnet.



Wird Selbstdisziplin über bewertet?

Der Anspruch an die Selbstdisziplin ist aus meiner Sicht überzogen. Zwar ist Selbstdisziplin eine nützliche Fähigkeit, aber sie ist nicht das Nonplusultra auf dem Weg zum Erfolg wie es gern dargestellt wird.

Ehrlich gesagt bin ich auch nicht immer diszipliniert und ich habe mir bisher nicht die Mühe gemacht Selbstdisziplin fokussiert in mein Leben zu integrieren. Sie steht im Widerspruch zu mir selbst und stellt für mich eine Beschränkung dar, die mich unnötig begrenzt.

Trotzdem behaupte ich, dass ich nicht unproduktiv bin und viele meiner Ziele bereits erfolgreich erarbeitet habe bzw. angestrebte Ziele nach wie vor bewerkstellige. Selbstdisziplin ist aus meiner Sicht nicht der beste Weg um Ziele zu erreichen, weil Sie

1. mit Selbstdisziplin nicht die bestmöglichen Ergebnisse erreichen, die Sie erreichen könnten. Denn durch Selbstdisziplin müssen Sie den zusätzlichen Aufwand des inneren Widerstandes überwinden. Erledigen Sie eine Aufgabe mit Lust und Liebe, werden Sie hingegen bessere Ergebnisse erzielen mit gleicher oder weniger Energie.

2. Ist Selbstdisziplin nicht sonderlich attraktiv da Sie sich immer wieder Aufgaben und Dingen unterwerfen müssen, die Sie nicht mögen oder wollen. Insgesamt bewirkt diese Vorgehensweise nicht unbedingt eine hohe Lebensqualität, die wir ja alle anstreben. Wenn Sie täglich mit Zwängen leben müssen, dann leben Sie wie ein Tier im Zirkus. Sie peitschen sich selbst jeden Tag aus, um bestimmte Verhaltensweisen zu erzwingen. Wozu soll das gut sein?

Wie kommen wir nun ohne Selbstdisziplin klar? Irgendwie müssen unsere Aufgaben ja doch erledigt werden. Können wir ohne Selbstdisziplin überhaupt etwas im Leben erreichen?

Fehlende Selbstdisziplin ist nicht so problematisch

Da Selbstdisziplin nicht das Nonplusultra ist, ist es auch nicht so schlimm, wenn sie nur mangelhaft vorhanden ist. Das eigentliche Problem bei der Umsetzung bestimmter Aufgaben und Ziele ist der Mangel an Sehnsucht, an Begierde, an Verlangen, der Mangel die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Das ist der Grund, warum viele Menschen in der Selbstdisziplin die Lösung ihrer anstehenden Thematiken sehen. Sie glauben, wenn sie sich immer wieder selbst mit Disziplin konfrontieren, werden sie irgendwann erfolgreich sein. Durch die ständige Versuchung mit hohem Aufwand hastig etwas auf die Reihe zu kriegen, wird das eigentliche Problem verkannt.

Die Verbesserungen in derartigen Situationen sind mehr als dürftig und kaum erwähnenswert. So lange Sie das Übel nicht an der Wurzel packen, so lange werden Sie sich immer wieder selbst irgendwelchen Zwängen unter ziehen und marginale Ergebnisse erzielen. Das eigentliche Problem ist also die fehlende Sehnsucht dies oder jenes tatsächlich zu erreichen.

Den Mangel an Begeisterung mit Selbstdisziplin lösen?

Wie können wir nun vorgehen, wenn wir keine Lust haben bestimmte Aufgaben zu bewältigen? Viele Menschen glauben gern an "entweder-oder-Lösungen". Es gibt aber nicht nur schwarz oder weiß - es gibt auch ganz viele Grautöne, also Alternativen. Es geht um Ihren Denkansatz und um Ihre damit verbundenen Emotionen. Wie wäre es denn mal mit einer "und-Situation"?

Denken Sie einmal in Ruhe nach: Wenn Sie eine bestimmte Aufgabe in Angriff nehmen müssen, brauchen Sie gute Gründe um sich zu entscheiden. Ihre Gründe wirken sich maßgeblich auf Ihre Gefühle aus. Somit haben Sie die Möglichkeit Ihre "Auslöser" und Gefühle hinter der Aufgabe zu erkennen und Ihre Motivation entsprechend zu steuern.

Mal angenommen Sie wollen mehr Ordnung in Ihre Räumlichkeiten bringen und nehmen sich vor jeden zweiten Tag zwei Stunden aufzuräumen und "klar Schiff" zu machen. Wenn die Zeit dann ran ist überfällt Sie plötzlich das Gefühl der Antriebslosigkeit. Sie überlegen ob Sie sich nicht doch lieber vor den Fernseher legen und es sich gemütlich machen. Sie opfern Ihre Wünsche für Ihre Bedürfnisse und am Ende nagt das schlechte Gewissen an Ihren Nerven. Machen Sie Schluss damit und überlegen Sie sich folgendes:

1. Verschaffen Sie sich Klarheit über die Gründe - warum Sie diese Arbeit/ Aufgabe erledigen wollen!

Denken Sie darüber nach, warum Sie sich diese Aufgabe gestellt haben. Was waren die Gründe? Warum wollten Sie jeden zweiten Tag an der Ordnung Ihrer Räumlichkeiten arbeiten? Fühlen Sie sich nicht mehr wohl in Ihren vier Wänden? Sind Sie ständig auf der Suche nach irgendwelchen Sachen? Erdrückt Sie Ihr eigenes Chaos? Verlieren Sie durch die vorhandene Unordnung Ihre Energie? Es gibt viele Gründe - finden Sie Ihre eigenen!

2. Entschlüsseln Sie die Zusammenhänge und Impulse, die zu Ihrer Entscheidung geführt haben!

Was waren die Auslöser für diese Gedanken und das Bestreben diese Entscheidung zu fällen? Haben Sie nach der letzten Aufräumaktion bemerkt, dass die Ordnung beruhigend auf Ihr Gemüt wirkt? Vielleicht hatten Sie auch mehr Zeit und Ruhe, weil Sie nicht so lange suchen mussten? Hat sich Ihre Laune spürbar gebessert, weil Sie sich gut gefühlt haben? Je ausgeprägter und intensiver Sie sich auf Ihre ursprünglichen Reize und Impulse konzentrieren, desto besser werden Ihre erzielten Ergebnisse sein.

3. Machen Sie einen Schritt zurück und betrachten Sie das Gesamtbild

Um die nötige Motivation zu finden, ist es manchmal nützlich einen Schritt zurück zu treten, um das Gesamtbild vor Augen zu haben. Versetzen Sie sich zurück in die Situation als Sie Ihre Entscheidung getroffen haben. Wenn Sie sich also für Aufräumen entschieden haben, dann ahmen Sie die Situation, in der Sie Ihre Entscheidung getroffen haben nochmals nach. Wie war es? Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen. Wenn die Simulation im realen Leben nicht möglich ist, dann nehmen Sie Ihre Phantasie zu Hilfe. Versuchen Sie sich den selben Reizen, Impulsen und Auslösern auszusetzen, die Ihre Absicht erzeugt haben. Was haben Sie gefühlt? Lassen Sie sich von einer neuen Welle der Gefühle mitreißen und gehen Sie vergnügt ans Werk!

4. Sie selbst sind ein Teil Ihrer Absichten

Sie werden merken, dass Ihre ursprüngliche Motivation plötzlich wieder auftauchen kann, je besser Sie sich in die ursprüngliche Lage zurück versetzen können. Machen wir uns nichts vor. Jeden Tag werden wir mit Informationen bombardiert, sind mit vielen verschiedenen Gedanken beschäftigt und unsere Gefühle fahren täglich oft genug Achterbahn. Durch die oben beschriebene Übung können Sie Ihre Bedürfnisse zurück in Gedächtnis rufen. Sie können Ihre Gefühle Revue passieren lassen und sich erinnern.

Je öfter Sie sich von der Selbstdisziplin verabschieden und je mehr Sie sich auf Ihre Bedürfnisse besinnen, desto besser harmonieren Sie mit Ihrem eigenen Inneren und werden mit der Zeit immer zufriedener - ganz ohne Zwang und Peitsche. Allmählich fällt es Ihnen leichter anstehende Aufgaben in Angriff zu nehmen und fertig zu stellen - ohne wenn und aber.

Sie erzielen bessere Ergebnisse mit geringerem Aufwand. Dieser Weg ist ein Weg, der sehr viel mehr Spaß macht als sich mit Selbstdisziplin das Leben unnötig schwer zu machen. Dieser Weg ist eine Ausrichtung, der Ihnen rationale Gedanken, innere Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen erlaubt.

Betrachten Sie Selbstdisziplin als Option

Selbstdisziplin kann eine potenziell nützliche Option sein wenn Sie Ihre persönliche Produktivität steigern wollen. Sie sollte als zusätzliches Werkzeug in unserem Leben dienen, aber nicht der zentrale Deh-und Angelpunkt sein bei allem was wir tun.

Selbstdisziplin kann nur eine zeitlich kurzfristige Lösung sein, weil wir ohne sie bessere Ergebnisse erzielen - nämlich immer dann wenn es uns ein Bedürfnis ist bestimmte Aufgaben zu erledigen, die mit unseren Sehnsüchten überein stimmen. Was Sie in Ihrem Leben mit Leidenschaft und Freude bewerkstelligen, hält Ihre innere Motivation am Leben.

Das Leben geht weiter

Wenn Sie das nächste Mal keine Begeisterung für Ihre Aufgabe finden, dann versuchen Sie es nicht mit Zwang und Peitsche. Suchen Sie nach den Gründen für Ihre Entscheidung. Suchen Sie nach Zusammenhängen, Impulsen und Reizen, die Ihre Entscheidung verursacht haben. Versetzen Sie sich so gut wie möglich in dieses Szenario.

Wenn Sie diesen Weg verinnerlichen, werden Sie zukünftig mit weniger Widerstand arbeiten und gleichzeitig bessere Ergebnisse erzielen. Sie werden feststellen, dass die Fokussierung auf Ihre eigenen Bedürfnisse eine bedeutend bessere Lebensqualität beinhaltet als ein Leben dessen Weg über die Selbstdisziplin führt.



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